
„Sinn ist das, wodurch wir uns eine Erkenntnis verschaffen ohne Mitwirken des Verstandes.“ (Lit.: GA 115, S. 31)
Wenn man nur die gebräuchlichen Sinne erwähnt, dann hat man nur einen Teil der menschlichen Sinnesorganisation erfasst. Vollständig hat man die Sinnesorganisation des Menschen erst erschöpft, wenn man die zwölf Sinne ins Auge fasst. Eine gewisse Anzahl von unseren Sinnen ist gewissermaßen mehr nach außen gerichtet, mehr darauf gerichtet, in die Außenwelt einzudringen. Es sind 7 nach außen gerichtete Sinne.
Die anderen Sinne haben wir da, wo wir mehr uns selbst wahrnehmen an Dingen, wo wir mehr die Wirkungen der Dinge in uns wahrnehmen. Es sind Sinne, die sich nach innen öffnen und durch das Wahrnehmen des Inneren uns unser Verhältnis zur Umgebung vermitteln.
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In anthroposophischer Perspektive wird die Bezeichnung "menschlicher Sinn" für alles verwendet, was den Menschen dazu veranlasst, das Dasein eines Gegenstandes, Wesens oder Vorgangs so anzuerkennen, dass er dieses Dasein in die physische Welt zu versetzen berechtigt ist. Bezugnahme auf die Publikation "GA 45, S. 31" als Literaturquelle.
Der Begriff "Sinn" wird in der allgemeinen Definition als eine Erkenntnis definiert, die ohne die Mitwirkung des Verstandes oder des Gedächtnisses zustande kommt. (Vgl. dazu: GA 45, S. 35) Das Urteil wird beim reinen Sinneserlebnis außer Kraft gesetzt.
Der Begriff des "Sinns" beschreibt das Erlangen von Erkenntnissen, die ohne die Mitwirkung des Verstandes erfolgen. Bezugnahme auf die Publikation "GA 115" auf Seite 31.
Es sei darauf hingewiesen, dass dem Verständnis der Thematik eine wesentliche Prämisse zugrunde liegt, die darin besteht, sich der Tatsache bewusst zu sein, dass dem Sinn etwas Unbewusstes, wenn nicht sogar Unbewusstes, zugrunde liegt. Würde das, was bei der Sinneswahrnehmung unbewusst vorliegt, bewusst gemacht werden, so würde es keinen Sinn mehr ergeben, von einer Sinneswahrnehmung zu sprechen, sondern es müsste von einem Urteil, einer Begriffsbildung und dergleichen die Rede sein." (S. 50)
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Der Sinn kann nur einen Ausschnitt der Welt geben, denn in dieser Welt liegen seine Gesetzmäßigkeiten, die er nicht ändern kann. Organismen nehmen diese Welt wahr. Ein Sinnesorgan, das nicht nur seinen Gegenstand, sondern sich selbst wahrnimmt, gäbe ein Bild dieser übersinnlichen Welt.
Goethe war der Ansicht, dass sich durch jeden Sinn die ganze Natur ausdrückt. Er schreibt im Vorwort seiner Farbenlehre: "Die Farben sind Taten des Lichts. Wir können Aufschlüsse über das Licht erwarten. Farben und Licht stehen zwar in dem genausten Verhältnis, aber wir müssen uns beide als der ganzen Natur angehörig denken. Die ganze Natur offenbart sich durch Farbe, Form, Geräusch, Geschmack und Töne. Ein Blinder kann im Hörbaren ein unendlich Lebendiges fassen."
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Lernen ist die Basis aller Sinneswahrnehmung. Sie muss erlernt werden. Lesen, das Erlernen von Sprachwahrnehmung, ist ein Leben lang erlernbar. Auch andere Sinne lassen sich verfeinern. Maler sehen genauer als der Durchschnitt. Feinschmecker haben einen feineren Geschmackssinn ausgebildet, Blinde ein sehr feinfühliges Tastvermögen entwickelt.
Allerdings sind Sinneseindrücke auch Vorurteilen ausgesetzt. Wahrnehmungurteile beruhen auf unbewussten und unaufheblichen Vorurteilen, die zu Wahrnehmungstäuschungen führen. Sie entstehen durch unbewusste Verknüpfung von Begriffen und Dingen, die uns vertraut sind und fließen in uns hinein. Der zugehörige Begriff ist in uns schon verankert und muss nicht gesucht werden. Dadurch wird die Wahrnehmung durch Vorstellungen durchsetzt. Wir sehen nur, was wir zu sehen erwarten.
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Benötigte Materialien
Zeichenblock A 3, Wachsmalstifte, Pastell- oder Ölpastellkreide, Buntstifte, Schreibbogen, Kugelschreiber oder Füllfederhalter​​
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Handout
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