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Seminar: Psychodynamischer Ansatz

Symbolisierung und Sublimierung

Image by Lars Kuczynski
Was ist ein Symbol?

1.) Symbol heißt Sinnbild, Zeichen, Kennzeichen — das Wort kommt aus dem Griechischen: »symbállein« heißt zusammenwerfen, zusammenfügen, zusammenballen. Als Zusammenge­fügtes ist ein Symbol also zunächst einmal etwas verbindlich Verallgemeinerbares, Verallge­meinertes.

2.) Das Symbol als Verallgemeinertes bzw. Verallgemeinerbares gewinnt im Kunstwerk und im Kunsterlebnis einen spezifischen doppelten Wahrnehmungscharakter. Im künstlerischen Symbol „sind sinnlich-emotionale Erfahrungen der gesellschaftlichen Menschheit in einer Weise verdichtet und verallgemeinert, dass sie durch die symbolvermittelte Erkenntnis…zu­gleich als sinnlich-emotionale Erfahrungen unmittelbar gegeben sind.“

3.) Symbolik ist die sinnbildliche Bedeutung (Sprache, Semantik, Zeichen etc.) oder sinnbild­liche Darstellung (Bild, Pantomime, Tanz, Körpersprache, Zeichen- und Gebärdensprache). Wortsymbole und Bildsymbole sind gleichen Ursprungs, fallen erst in der arbeitsteiligen Ent­wicklung der Menschheitssymbole auseinander: Im Anfang war das symbolische Zeichen, im Anfang waren Laut- und Wortsymbol. 

4.) Der Mensch ist als das höchstentwickelte Lebewesen ein animal symbolicum — ein Symbolwesen, ein sich Symbole schaffendes Lebewesen (Cassirer) „das sich kulturell, sozial und individuell immer wieder neu „erfindet“. Die virtuelle Fähigkeit der Spezies Mensch zur „Als-ob-Aktion“, die nur dem homo sapiens eigene, ungeheuer große Kombinationsmöglich­keit von Symbolen, semiotischen Zeichen, Bedeutungsebenen und Bedeutungszusammenhän­gen (über Bewusstsein, Sprache, Syntax und Grammatik) sichert das menschliche Leben und Überleben.

5.) Die grundsätzliche Symbolisierungsfähigkeit ist nur dem Menschen zueigen.

6.) Symbolisierungsfähigkeit ist untrennbar mit der Möglichkeit verbunden, Dingen, Perso­nen, Situationen etc. eine Bedeutung zuzuschreiben. Symbole sind in diesem Sinne Brücken des Verstehens im Kommunikationsprozess zwischen Menschen. Die Schrift bringt (seit 7000 Jahren) wechselnde symbolische Formen der Bild/Text- und Text/Bild-Kommunikation hervor. (Dr. phil., Dr. habil. Henning Müller)

Carl Gustav Jung war ein schweizerischer Psychologe und Begründer der analytischen Psychologie, der vor allem durch seine Theorie von den Archetypen und dem kollektiven Unbewussten berühmt ist. Er erläuterte: „Ein Symbol heißen wir einen Begriff, ein Bild oder einen Namen, die uns als solche bekannt sein können, deren Begriffsinhalte oder Gebrauch und Anwendung jedoch spezifisch oder merkwürdig sind und auf einen verborgenen, unklaren oder unbekannten Sinn hindeuten."

Was sind die Archetypen?

Nach Jung sind Archetypen universell vorhandene symbolische Urbilder in der Seele aller Menschen, unabhängig von ihrer Geschichte und Kultur, die zusammen das kollektive Unbewusste bilden. Seiner Meinung nach sind Archetypen lebenswichtige Geistesorgane, die sich in jedem Menschen befinden und deren Funktion sei, eine Brücke zwischen dem gegenwärtigen Bewusstsein, das ständig durch Verlust der Wurzeln bedroht ist, und der natürlichen, unbewusst instinktiven Vollständigkeit der ursprünglichen Zeiten zu schlagen[i]. Die eigentlichen Archetypen sind unbewusst und unanschaulich, aber ihre Wirkung ist in symbolischen Bildern erfahrbar, besonders in Träumen, Märchen und Mythen[ii].

Die mythologische Forschung bezeichnet Archetypen als Motive[iii]. Jung spricht über einen universalen Parallelismus der mythologischen Motive, den er als Beweis für die Existenz von determinierenden Wirkungen benutzt, die in jedem Menschen die Ähnlichkeit oder sogar Identität der psychologischen Erfahrung gewährleisten[iv]. Jung versteht also die mythologischen Motive als strukturale Elemente der Psyche[v].

 

Es gibt eine unbegrenzte Anzahl von archetypischen Bildern, die als Symbole erscheinen, aber eine begrenzte Anzahl von eigentlichen Archetypen. Für diese Arbeit sind besonders folgende wichtig: Anima und Animus, der alte Weise, Mutter, Kind, Schatten und Selbst.

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[i] vgl. Jung 1997, S. 238, 256.

[ii] vgl. Jung 1997, S. 229.

[iii] vgl. Jung 1997, S. 99, 148.

[iv] vgl. Jung 1997, S. 169.

[v] vgl. Jung 1997, S. 228.

Benötigte Materialien

Zeichenblock A 3, einen Fotokarton, Kohlestifte, Wachsmalstifte, Ölpastellkreide, Zeitungen, Illustrierte, Klebstift; Schreibbogen, Kugelschreiber oder Füllfederhalter

Handout
Arbeitsblätter

   Jungs Modell                               Freuds Modell                              Archetypen

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